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Teilhabe in benachteiligten Lebenslagen

Teilhabe in benachteiligten Lebenslagen

Das LWL-Landesjugendamt Westfalen hat unter der Leitung von Henrike Steff und Thomas Fink (Fachberatung Jugendhilfeplanung) sowie in enger Kooperation mit Dr. Silke Karsunky (Fachberatung Frühe Hilfen) in einem Zeitraum von zwei Jahren (2025-2026) mit Unterstützung der Auridis-Stiftung das Förderprojekt "Teilhabe in benachteiligten Lebenslagen" durchgeführt.

Ziel war es, die öffentlichen Träger in Westfalen-Lippe dabei zu unterstützen, die Lebenslagen und Bedarfe von Familien und ihren Kindern in benachteiligten Lebenssituationen stärker in den Fokus von Politik und Verwaltung zu rücken. Ein zentraler Baustein des Projekts war die Begleitung von zwölf Projektkommunen bei der Umsetzung konkreter Beteiligungsvorhaben. Dabei wurden Familien und Kinder aktiv eingebunden, ihre Perspektiven sichtbar gemacht und Möglichkeiten zur Mitwirkung geschaffen.

Unsere Module im Überblick

  • Zwei Strategie-Workshops für Jugenddezernent:innen und Jugendamtsleiter:innen
  • Fachliche Begleitung von zwölf Projektkommunen und ihren Beteiligungsprozessen vor Ort, inklusive drei Fortbildungsmodulen und einem Sachkostenbudget von 10.000,-€
  • Abschlussveranstaltung "Familien wissen, was sie brauchen!" als lanedsweite Transferveranstaltung 

Abschlussveranstaltung "Familien wissen, was sie brauchen!" am 01.07.2026

Was passiert, wenn wir Familien nicht nur fragen, sondern ihnen wirklich zuhören?

Diese Frage stand im Mittelpunkt unseres Fachtags „Familien wissen, was sie brauchen!“ der am 01.07.2026 in Essen stattgefunden hat. Gemeinsam mit vielen engagierten Koordinierungskräften, Fach- und Führungskräften aus Jugendämtern, den NRW-Landesjugendämtern sowie den zwölf Projektkommunen konnten wir die Ergebnisse des Förderprojekts „Teilhabe in benachteiligten Lebenslagen“ vorstellen und diskutieren.

Besonders beeindruckend waren dabei die Stimmen der Familien selbst. Aussagen wie „Wir haben die Kinder befragt, wie sie befragt werden wollen.“ oder „Was hindert uns eigentlich als Verwaltung mal raus zu gehen?!“ machen deutlich: Gute Beteiligung beginnt mit einer veränderten Haltung – und dem Mut, gewohnte Wege zu verlassen.

Ein emotionaler Höhepunkt war das Theaterstück „Der gruselige Sternbuschpark“, das Kinder aus Münster als Ergebnis ihres Partizipationsprozesses entwickelt hatten. Der langanhaltende Applaus und die stehenden Ovationen zeigten eindrucksvoll, welche Kraft entsteht, wenn junge Menschen ihre Perspektiven selbst sichtbar machen.

In der moderierten Podiumsdiskussion mit Vertreterinnen aus den Projektstandorten der Städte Ahlen (Kerstin Eibrink), Dortmund (Marion Wyssely) und Gütersloh (Alessa Jaimes), dem Jugendamtsleiter Tim Klockenbusch aus der Stadt Herten und der Stadträtin Stephanie Jordan aus der Stadt Herne wurde eines besonders deutlich: Es gibt nicht das Beteiligungsformat. Aber es gibt eine gemeinsame Erkenntnis: Gute, zielgruppengerechte Beteiligungsformate sind der Schlüssel, um Familien und junge Menschen wirksam einzubeziehen. Und vielleicht noch wichtiger: Alle Beteiligten brennen dafür, Beteiligung dauerhaft in kommunalen Strukturen zu verankern.

Weitere Impulse lieferten die Vorstellung des neuen Impulspapiers „Partizipation in den Frühen Hilfen“ durch Annette Berger und Christina Muscutt vom LVR-Landesjugendamt Rheinland, der intensive Gallery Walk mit den zwölf Projektkommunen, der offene Erfahrungsaustausch in moderierten Kleingruppen sowie der inspirierende Abschlussvortrag von Judith Rieger zur Verstetigung von Partizipationsprozessen.

Für uns bleibt nach diesem Tag vor allem eine Erkenntnis: Partizipation ist kein zusätzliches Angebot. Sie ist eine Voraussetzung für wirksame Kinder- und Jugendhilfe. Wenn Familien mitgestalten können, entstehen bessere Entscheidungen, tragfähigere Angebote und mehr Teilhabe.

Unser herzlicher Dank gilt allen Mitwirkenden, insbesondere den zwölf Projektkommunen, den Kolleginnen und Kollegen aus den NRW-Landesjugendämtern, allen Referent:innen sowie den jungen Menschen und Familien, die ihre Erfahrungen eingebracht haben. Ihr Engagement zeigt: Familien wissen tatsächlich am besten, was sie brauchen – wir müssen ihnen nur den Raum geben, es uns zu sagen.

Hier gelangen Sie zur Tagungsdokumentation

Strategie-Workshops für Jugenddezernent:innen und Jugendamtsleiter:innen

Am 3. und 4. Juli 2025 kamen rund 40 Leitungskräfte westfälisch-lippischer Jugendämter und Dezernate zu einem Strategieworkshop im FACTORY HOTEL in Münster zusammen. Ziel der Veranstaltung war es, die Situation von werdenden Eltern und Familien mit Kindern in benachteiligten Lebenslagen in den Blickpunkt von Politik und Verwaltung zu stellen sowie Handlungsoptionen und konkrete strategische Absatzpunkte der Kinder- und Jugendhilfe zur Begleitung und Unterstützung dieser Zielgruppe zu erarbeiten.

Ausgangspunkt war die gemeinsame Feststellung: Die Lebensrealitäten junger Familien in belasteten sozialen Lagen finden noch immer zu wenig Gehör in kommunalpolitischen Entscheidungsprozessen.

Genau hier setzt das Förderprojekt des LWL-Landesjugendamts Westfalen an. Es will Jugendämter dabei unterstützen, die Perspektiven und Bedarfe werdender Eltern sowie von Familien mit Kindern im Alter von 0 bis 10 Jahren sichtbarer zu machen – und ihre Anliegen stärker im Fokus kommunaler Steuerung zu verankern. Der Anspruch, Adressat:innen nicht nur „mitzudenken“, sondern ihnen eine echte Stimme zu geben und ihnen Mitbestimmung zu ermöglichen, zieht sich dabei wie ein roter Faden durch das von der Auridis-Stiftung geförderte Projekt. Beteiligung darf nicht zur symbolischen Geste verkommen – sie muss Ausgangspunkt und Grundvoraussetzung jeder ernst gemeinten Teilhabe sein.

Dass dies in der Praxis mitunter sperrig ist, wurde im Workshop nicht ausgeklammert, sondern bewusst aufgegriffen.

Mit Prof. Dr. Karin Böllert (Universität Münster) und Prof. Dr. Markus Nikola Sauerwein (TU Dortmund) begleiteten zwei profilierte Wissenschaftler:innen den Workshop. Ihre Beiträge lieferten fundierte Impulse zu den fachlichen Erfordernissen und strukturellen Barrieren gelingender Beteiligung.

Ergänzt wurde die Perspektive durch die Expertise der LWL-Fachberaterinnen Dr. Monika Weber und Dr. Silke Karsunky, die vor dem Hintergrund der aus dem SGB VIII abgeleiteten Ziele und Aufträge der Kinder- und Jugendhilfe im Bereich Förderung von Teilhabe und Partizipation die kommunale Praxis in den Blick nahmen.

In zwei intensiven Workshop-Phasen arbeiteten die Teilnehmenden in Kleingruppen an der Frage, wie eine integrierte kommunale Gesamtstrategie zur Förderung von Teilhabe konkret ausgestaltet werden könnte.

Die anstehenden Kommunalwahlen im Herbst 2025 bildeten dabei einen passenden Anlass, um sich der Frage zu widmen, wie politische Aufmerksamkeit für die Anliegen von Familien systematisch erzeugt werden kann – jenseits wohlmeinender Einzelinitiativen. Der Workshop machte deutlich: Teilhabe braucht Struktur, Haltung und strategische Klarheit. Und sie beginnt damit, statt über Familien zu sprechen, mit ihnen zu sprechen und ihnen zuzuhören – konsequent, ehrlich und auf Augenhöhe.

Fachliche Begleitung von Beteiligungsprozessen

Träger der öffentlichen Jugendhilfe aus Westfalen-Lippe konnten sich mit bereits geplanten oder noch zu planenden Partizipationsprozessen bewerben. Sie wurden bei der Entwicklung und Umsetzung von konkreten Partizipationsprozessen durch die LWL-Fachberatung sowie eine passgenaue Expertise externer Referent:innen über die Dauer von maximal 18 Monaten (März 2025 - Juni 2026) begleitet und in ihrer Tätigkeit unterstützt. Ziel war die gemeinsame Entwicklung und Durchführung von Partizipationsprojekten vor Ort zur Verbesserung der Partizipationsmöglichkeiten von werdenden Eltern und Familien mit Kindern im Alter von 0 bis 10 Jahren in benachteiligten Lebenslagen. Jede Projektkommune erhielt die Möglichkeit ein Sachkostenbudget von jeweils 10.000,-€ für ihr Planungsvorhaben zu verwenden.

Projektkommunen

Kriterien des Förderprojektes

Zielgruppe: Werdenden Eltern und Familien mit Kindern im Alter von 0 bis 10 Jahren

Benachteiligte Lebenslagen: Benachteiligte Lebenslagen konnten sich unter anderem in ökonomischen, gesundheitlichen, kulturellen, sozialen oder bildungsbezogenen Einschränkungen von Familien ausdrücken.

Planungsgegenstand: Gegenstand konnten Planungsprozesse neuer Angebote, Weiterentwicklung- oder Evaluationsprozesse in den unterschiedlichen Handlungsfeldern wie beispielsweise den Frühen Hilfen, der Kindertagesbetreuung oder auch der offenen Ganztagsbetreuung sein.

Unmittelbare Partizipation: In Anlehnung an die Partizipationspyramide nach Straßburger und Rieger (2014) waren die Projektkommunen angehalten, nicht nur die Meinungen der Adressat:innen zu erfragen, sondern diese auch unmittelbar an  der Maßnahmenplanung zu beteiligen. Nach Straßburger und Rieger handelt es sich hierbei nicht mehr um Vorstufen der Partizipation, sondern um Stufen, auf denen Mitbestimmung ermöglicht wird. Meinungen und lebensweltliche Expertise werden dabei nicht nur einbezogen, sondern Fachkräfte treffen gemeinsam mit den Adressat:innen Entscheidungen. Die Beteiligungsintensität kann großen Einfluss darauf haben, ob Partizipationsprozesse von Adressat:innen als echte Beteiligung wahrgenommen werden.

fachliche Begleitung

Die Projektkommunen wurden durch die Projektleitung während der Entwicklung und Umsetzung ihrer jeweiligen Beteiligungsvorhaben fachlich begleitet, beraten und unterstützt:

Begleitende Projekttreffen: Auftaktveranstaltung, Zwischentreffen, Projektabschlusstreffen

Fortbildungsangebote: Auf Grundlage der von den Projektkommunen kommunizierten Bedarfe wurden entsprechende Fortbildungsangebote entwickelt.

Individuelle Beratung: Zur fachlichen Begleitung stand den Projektkommunen jeweils eine feste Ansprechperson aus dem Projektleitungsteam zur Verfügung. Auf dieser Grundlage konnten individuelle Bedarfe gezielt aufgegriffen und die weiteren Beteiligungsvorhaben gemeinsam weiterentwickelt und fachlich ausgestaltet werden.

„Teilhabe in benachteiligten Lebenslagen“ - Erfolgreicher Projektauftakt in Münster Auftaktveranstaltung

Am 27. und 28. März 2025 fand im Alexianer Hotel am Wasserturm der Auftakt des Förderprojektes „Teilhabe in benachteiligten Lebenslagen“ statt.

Ein zentrales Ziel des zweitägigen Auftaktworkshops war die Vermittlung grundlegender Kenntnisse über geeignete Partizipationsansätze und -methoden sowie die Reflexion der eigenen Haltung in Bezug auf die Teilhabe der (potentiellen) Zielgruppen. Mit Judith Rieger, eine der beiden Entwicklerinnen der „Partizipationspyramide“ (Straßburger/Rieger (Hg.), Partizipation kompakt – Für Studium, Lehre und Praxis sozialer Berufe, 2014), und Christina Muscutt, Fachberaterin für Kinderrechte beim LVR-Landesjugendamt Rheinland, konnten zwei Expertinnen gewonnen werden, die alle Teilnehmenden mit dem notwendigen Handwerkszeug zur Umsetzung der anstehenden Projekte ausstatteten. Zudem konnten die Projektstandorte einen ersten Umsetzungsplan für das eigene Vorhaben entwickeln. Bei sonnigem Wetter und besten Rahmenbedingungen blieb zudem ausreichend Zeit für den kollegialen Austausch und das Kennenlernen.

Teilhabe in benachteiligten Lebenslagen - Modul 2 Projektabschlusstreffen

Am 10. und 11. Februar fand das dritte und letzte gemeinsame Treffen im Rahmen der Begleitung der Projektkommunen statt.

Nach dem Auftaktworkshop und dem anschließenden Zwischenstandstreffen fand am 10. und 11. Februar das dritte und damit letzte gemeinsame Treffen statt. Damit ging ein wichtiger gemeinsamer Abschnitt des Projekts zu Ende – die inhaltliche Arbeit in den Kommunen selbst läuft jedoch weiterhin auf Hochtouren.
Die Begleitung der Beteiligungsvorhaben wird noch bis Mitte des Jahres fortgeführt. Viele der kommunalen Projekte befinden sich derzeit mitten im Umsetzungsprozess, während andere die letzten Schritte auf dem Weg zum Projektabschluss gehen. Das Abschlusstreffen bot daher eine wertvolle Gelegenheit, den aktuellen Stand miteinander zu teilen und sich gegenseitig mit Ideen zu unterstützen.
Dabei wurde deutlich, wie vielfältig die Kommunen das übergeordnete Thema Partizipation in ihren Projekten aufgreifen und umsetzen. Ein zentrales gemeinsames Fazit vieler Projektteams ist bereits jetzt: Die Einbindung der Zielgruppen erweist sich als äußerst gewinnbringend.

Ihr Kontakt zu uns

Symbolbild für Telefon, Mail und Post

Förderorganisation

Das Förderprojekt - Teilhabe in benachteiligten Lebenslagen - wird durch die Auridis Stiftung finanziell unterstützt.

Die Auridis Stiftung setzt sich bundesweit für die Unterstützung und Förderung sozial benachteiligter Kinder ein.